Gestern hatte ich eine interessante Diskussion im Schurkenkeller. Wir hatten uns über die studentischen Lehrveranstaltungen unterhalten, die diese Woche bei uns in der Uni angelaufen sind. Am Morgen wurde gerade eine Einführung in die Bedienung der Oszilloskope angeboten, die anscheinend viel Freude bereitet hat. Irgendwie sind wir dann auf die Qualifikation der Lehrenden zu sprechen gekommen.
Dürfen, oder besser, sollten Menschen, die selber keine Lehrerfahrung haben, Lehrveranstaltungen durchführen?
Ich denke, unbedingt!
Das alte Modell, mit dem wir uns herumschlagen, setzt voraus, dass der/die Lehrende einen Masterplan für den Unterricht hat. Wenn der Schüler also nur das macht, was der Lehrende sagt, sollte er Erfolg haben, was meistens auch nur heißt irgendeine Prüfung zu bestehen. Was der Mensch in diesem System nicht lernt, ist Fragen zu stellen. Warum auch immer.
Fragen stellen, wissen was man wissen möchte, erkennen wo gerade die Mauer im Kopf ist und warum. Das sollte Inhalt einer Ausbildung sein! Das Lernen zu lernen, ist vielleicht die anspruchvollste Aufgabe im Leben.
Im ganzen Leben.
Nicht nur die ersten 20 Jahre. In der Schule ignoriert, in der Universität vorrausgesetzt, wabern diese Topics unter dem Trendwort “Softskills” durch unsere Welt. Da gibt es dann auch Seminare, die von “Coaches” gemacht werden.
Softskills… - Bullshit!
Wie kann man sich etwas mal nebenbei, irgendwann als zusätzliche Fortbildung oder “Training” aneignen, was doch eigentlich ganz an den Anfang gehört? Kritisches, hinterfragendes, selbstmotiviertes Lernen ist Vorraussetzung für ein selbstbestimmtes, freies und gleichberechtigtes Leben in der Gesellschaft. Jetzt schaut Euch unser Bildungssystem an! Die Schulen und Universitäten bilden nicht den Menschen als Person, sondern erzeugen Fachkräfte für Arbeit, die nicht mehr gebraucht wird. Warum? Warum auch immer.
Wir sollten aussteigen aus diesem festgefahrenen System.
Es geht also um die studentischen Lehrveranstaltungen.
Gibt es schlechte LehrerInnen? Natürlich gibt es die. Ich kenne sogar ein paar. Aber es gibt halt auch schlechte SchülerInnen. Sie sind dann schlecht, wenn sie sich fragenlos in den Unterricht setzen, in der Hoffung, der/die LehrerIn hat diesen einen Ansatz, sagt diesen einen Satz, der alles verständlich werden lässt. Es gibt diesen Ansatz, aber den kann eben nur der/die StudentIn selber kennen.
Es ist die Verantwortung des Schülers, der Schülerin den Lehrern zu sagen was er/sie wissen möchte oder nicht versteht und warum nicht. Wer das kann, war schon erfolgreich, im Leben, nicht in Klausuren. Es ist dann aber auch die Verantwortung des Lehrers, der Lehrerin die Schüler in ihrem Tasten nach Fragen ernst zu nehmem und zu leiten. Da haben sie es genauso schwer wie die Schüler. Der/die LehrerIn muss also, um eine gute Lehre zu machen, ständig von den Schülern lernen, sein/ihr Leben lang.
Treiben wir es auf die Spitze. Ein Mensch, der mit guten Ideen und Bildern im Kopf einen Kurs macht, besitze nicht die Fähigkeiten sie verständlich darzulegen. Ist der Kurs jetzt schlecht und überflüssig?
Hätte ein Buch zum gleichen Thema nicht ausgereicht? Nein! Der Kurs muß nicht schlecht sein. Er ist nur anders als der Untericht, den wir kennen. Denn hier sind auf einmal die Lernenden, die Kursteilnehmer in der Rolle des Lehrers. Ihre Fragen, ihre Interessen und ihr Feedback sind es nun, die den Lehrer unterrichten!
Die Lernenden müssen sich also vom Lehrenden emanzipieren, damit der Unterricht nachhaltig wird. Aus Frontalunterricht wird ein Gespräch, aus Langeweile wird eine Erfahrung. Jeden Tag.
Dieser Weg ist sicherlich für alle Parteien der spannenste, aber auch der anstrengenste. Lasst uns zu den studentischen Lehrveranstaltungen gehen! Egal wer vorträgt. Manchmal wird uns von einem begnadeten Redner ein wunderbares Bild geschenkt werden, manchmal werden wir dem Vortragenden helfen seine ersten Schritte an der Tafel zu machen. Aber immer werden wir Neues lernen, über das Fach, über die anderen und über uns. Ich glaube so geht Revolution.