Seit zwei Monaten sind die PhysikerInnen der TU-Berlin jetzt aktiv. Viel hat sich getan, viel muss noch getan werden.
Warum haben wir eigentlich angefangen? Am Anfang ist es ein Gefühl, der Bauch gibt uns zu verstehen, dass etwas nicht stimmt und wir entschließen uns etwas zu tun. Meistens gehen wir dann in die Strukturen eines schon bestehenden Protestes. Bei uns war es der Bildungstreik. Aber haben wir konkrete Forderungen? Wenn ja, an wen?
Worum geht es uns eigentlich? Wir haben einen Forderungskatalog, oder besser eine öffentliche Diskussionsgrundlage für einen Katalog. Aber die einzige umfassende Forderung, die mir für uns momentan Sinnvoll erscheint ist: “Verhandeln auf gleicher Augenhöhe!”. Das klingt banal und überflüssig. Ist es aber nicht!
Wenn wir mit dem Presidenten der TU darüber sprechen wie wir unser System nachhaltig verändern wollen, müssen wir uns Respekt und Vertrauen, die für ein so großes Projekt notwendig sind, erst verdienen. Genauso wie wir Vertrauen auch nicht verschenken. Das ist ganz schön schwer.
Um es gleich hier einzuflechten: Freundlich am Tisch mit der Unileitung zu sitzen, heißt für mich mitnichten “konform” zu sein. Ich habe nie verstanden warum es bei den Studenten oft zum guten Ton gehört, gleich am Anfang von Diskussionen rumzupöbeln, wenn Unipresidenten oder Politiker auftauchen. Wir Verhandeln freundlich, aber nicht nachgiebig in unseren Zielen. Denn wir sind überzeugt Lösungen zu haben!
Es ist leicht Forderungen nach mehr zu formulieren. Mehr Geld, mehr Zeit, mehr Stellen, mehr akademischer Gedanke, mehr Gesellschaftskritik. Doch wer soll unsere Forderungen umsetzen und wie selbstbestimmt sind wir dann noch? Sind nicht wir die Experten wenn es um Bildung geht? Das sagen wir ja immer.
Ja, dann müssen wir doch das System durch Ideen ändern, anstatt von der Politik bessere Konzepte einzufordern. Schlimmer noch, wir müssen diese Ideen auch noch umsetzen. Mal ehrlich, was hilft es Forderungen an Menschen zu stellen, die sie nicht erfüllen können, weil sie einfach keinen Weg mehr haben.
Keiner in diesem Lande, weiß gerade in welche Richtung wir gerade als Gesellschaft laufen, erst recht nicht, was Bildung Heute eigentlich ist. Keiner, aber wir können vielleicht einen Ansatz schaffen.
Das ist der Mittelpunkt unserer Aktivitäten. Zum einen beschäftigen wir uns mit der Problematik im Bildungssystem, um begründet Kritik üben zu können. Dazu gehören z.B. die Themen Haushalt, Qualitätssicherung der Unis, Studienordnungen, Landespoltik und Uni, Bundespolitik und Uni usw. Die Punkte, für die wir konkrete Ideen haben, besprechen wir, je nach Zuständigkeit, an runden Tischen in den Fakultäten oder mit dem Presidenten der TU.
Zum anderen versuchen wir herauszuarbeiten, wie diese Argumente mit einer Gesellschaftskritik zu verknüpfen sind. Hier liegt noch eine Menge Arbeit vor uns, vor dem Protest. Den wollen wir im Sommersemester beginnen. Momentan ist unsere Aktionsform, mit der wir uns als Teil des Bildungsprotestes sehen, die der offenen Uni. Selbstbestimmt Lernen und Lehren, ist ein Projekt, das uns viel abfordert. Denn die Verantwortung, die wir tragen ist echt. Wir beginnen unser Leben in die Hand zu nehmen.
Im April werden wir schon auf vier Monate des Projekts 2010 zurückblicken. Unsere Erfahrungen werden dann unsere Stärke sein, denn wir haben nicht vor in unserem Haus zu bleiben!
